RambaldiResidence 2016

Artist-in-Residence-Programm für internationale Bildende Künstler

1. Stipendiatin: Anastasia Ax (Januar-Februar 2016)

Anastasia Ax

Anastasia Ax (*1979 in Stockholm, lebt und arbeitet in Athen und Stockholm) studierte am Royal Collage of Art, Stockholm, an der Sweden School of Photography, Göteborg, dem Sweden Valand, Göteborg und der Royal Danish Art Academy, Kopenhagen. 2015 gewann sie den Internationalen Faber-Castell Preis für Zeichnung. Als erste Stipendiatin des RambaldiResidence verbrachte sie den Januar und Februar 2016 in München, um an einer neuen Serie von DinA4 Skulpturen zu arbeiten.

 

Die Arbeiten von Anastasia Ax zeichnen sich durch ein explosives und komplexes Zusammenspiel von Skulptur, Zeichnung, körperlicher Aktion, Installation und Sound Art aus. Ausgangsbasis ist die Idee von Konstruktion / Dekonstruktion und den Kräften, die vor, während und nach einem kreativen Prozess entfesselt werden. Ihre künstlerische Arbeit beschäftigt sich mit Transformationsprozessen, der instinktiven Energie, die durch den Kreislauf des Lebens erfahrbar wird. Papier, Gips und Tinte entfalten ihren doppelten Charakter als Naturmaterialien und auch als Symbole unserer intellektuellen Kultur und Kreativität. Der Besucher ist eingeladen, an diesen Prozessen teilzunehmen und die künstlerische Arbeit durch eigene Zeichen und Spuren zu verändern.

Als Stipendiatin des RambaldiResidence entwickelte Anastasia Ax ihre neue Skultpturenserie „Blank Slate“ aus A4 Papier und arbeitete an der bereits bestehenden Serie „The World As Of Yesterday“ weiter. Am Papier interessiert Anastasia Ax besonders seine doppelte Eigenschaft: Papier ist nicht nur ein Instrument der Kommunikation, sondern auch ein Mittel zur Dokumentation und zum Sammeln von Information. Auf der anderen Seite ist der Zellstoff aber auch ein lebendes Gebilde. Die Serie „Blank Slate“ der A4 Skulpturen aus Papier ist eine Weiterführung von „The World As Of Yesterday“ und beschäftigt sich mit systematisierten und organisierten Strukturen. Ax verwendet Wasser und beginnt langsam, mit ihren Händen in einem Stapel A4 Papier zu graben, wie ein zeitgenössischer Archäologe.

Das akkurat gestapelte Papier verwandelt sich so in eine organische, zerquetschte Masse, wobei jede Skulptur einen andere Tiefe des Grabens zeigt. Besonders interessant ist für die Künstlerin der Aspekt, eine vorgegebene Norm und Struktur zu stören und dem Betrachter dadurch eine neue Möglichkeit des Lesens zu ermöglichen. Das Graben im Papier kann auch als Graben nach der Wahrheit und nach Verständnis gelesen werden. Dabei geht es ihr nicht nur um das weiße Papier an sich, sondern sie wird auch optisch durch das unterschiedliche Verpackungsdesign der verschiedenen Hersteller angezogen.

 

Ausstellungsansicht RambaldiResidence München, 2016

Der zweite Teil der Ausstellungspräsentation zeigt einen Raum voller Papier in verschiedener Form. Wieder einmal mehr nimmt Papier eine entscheidende Rolle in einer performativen Installation von Anastasia Ax ein. Hier verwendet sie Papier einer Münchner Papierrecycling-Anlage: verschiedene Unterlagen, Büropapier, Werbung, von ganzen Seiten bis hin zu zerschredderten, kaum mehr lesbaren Fetzen. In diesem Raum gab es zur Ausstellung eine fortlaufende Lese-Performance. Die Besucher waren eingeladen teilzunehmen und den Raum durch Lesen zu aktivieren. In der mündlichen Tradition wurde Wissen stets durch Wiederholung weitergegeben und verkörperte so etwas Vergangenes – eine Praxis, die heutzutage nicht mehr üblich ist. Das hier verwendete Papier, das eigentlich der Zerstörung und Weiterverarbeitung zugeführt werden sollte, bekommt plötzlich ein zweites Leben und lässt uns über Datensicherheit und Eigentum nachdenken.

 

Ausstellungsansichten RambaldiResidence München, 2016:

Ansichten weiterer Ausstellungsprojekte der Künstlerin:

 

Förderer RambaldiResidence 2016: Christoph und Stephan Kaske Stiftung

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© Anna Wondrak