himmelgrau.

Eine Ausstellung des Münchner Bündnis gegen Depression e. V. in der Galerie Bezirk Oberbayern, München

(03.05.-12.09.2012)

Kuratiert von Anna Wondrak.

 

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

 

Psychische Erkrankungen wie Depression werden zwar inzwischen von der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen, dennoch werden sie aus Unkenntnis und Angst immer noch sehr oft missverstanden und tabuisiert. Dabei ist Depression kein Ausdruck persönlichen Versagens, sondern – wie Diabetes oder Bluthochdruck – eine Erkrankung, die jeden treffen kann – unabhängig von Beruf, Alter und sozialem Stand. Das Münchner Bündnis gegen Depression e. V. hat sich zum Ziel gesetzt, Depression zu einem öffentlichen Thema zu machen und Betroffenen zu helfen. Die Ausstellung »himmelgrau.« nähert sich dem Thema Depression durch die Bildende Kunst und verfolgt weder einen medizinischen noch einen kunsttherapeutischen Ansatz.

 

So gut wie jeder Künstler ist in seinem kreativen Schaffensprozess emotionalen Schwankungen unterworfen, die von Euphorie bis hin zu Niedergeschlagenheit und Verzweiflung reichen können. Der eher dunkleren Seite der menschlichen Gefühlswelt nähern sich in der Ausstellung sechs Künstler mit den medialen Mitteln Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie und Video. Sie umkreisen so auf unterschiedliche Weise die Themen Hilflosigkeit, Verlust und Verlorensein, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Introspektion, Selbstzweifel, innere Zerrissenheit, Versagensängste sowie die fragile Grenze zwischen der menschlichen Innen- und Außenwelt.

Durch das Einfühlen in diese unterschiedlichen Gefühlswelten erhält der Betrachter die Möglichkeit, sich dem Thema Depression zu nähern und zu öffnen. Ein weiteres Ziel lässt sich mit dem Begriff der Inklusion fassen. Sie zielt darauf ab, Menschen mit einer Behinderung die uneingeschränkte Teilhabe am ge- sellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Inklusion zu fördern ist eines der wichtigsten Anliegen des Bezirks Oberbayern, der deshalb die Ausstellung »himmelgrau.« unterstützt. Denn die Kunst als Sprachrohr kennt keine Barrieren und Depression ist ein Thema, in das sich jeder – ob mit oder ohne Krankheitserfahrung – auf seine Weise hineinfühlen und -denken kann.

 

Zu den Künstlern:

© Sandra Filic

Die Videoreihe »Modelle der Wirklichkeit« von Sandra Filic (*1974 in Nasice/Kroatien) basiert auf der Dokumentation von fremden Tagesabläufen, in die die Künstlerin vor der Kamera als eine Art personeller Platzhalter eintaucht. Dabei konzentriert sie sich auf das Wesentliche, Existentielle und blendet alles andere aus. Die Distanz des Betrachters ist dennoch spürbar: »Modelle der Wirklichkeit« bleibt ein Versuch der Annäherung und zeigt Momentaufnahmen, die von Alltagssituationen, aber auch von den Sehnsüchten und Ängsten des Einzelnen erzählen.

© Verena Frensch

Die Fotografien von Verena Frensch (* 1970 in München) führen den Betrachter in eine irritierende Welt aus Traum und Wirklichkeit, surrealer Überzeichnung und verborgenen Ängsten. Die am Computer verfremdeten Fotografien zeigen Orte, die nur in unserer Sehnsucht und Vorstellung existieren und deshalb so beunruhigend sind, weil sich hinter der makellosen Oberfläche eine erschreckende Wahrheit verbirgt. Sie beschreiben die künstlerische Suche nach der idealen Landschaft wie nach verlorenen Paradiesen – zugleich sind die surrealen Szenerien Sinnbilder für einen postapokalyptischen Weltentwurf.

© Bo Christian Larsson

Bo Christian Larsson (* 1976 in Kristinehamn/Schweden) entwickelt seine Arbeiten in einem performativen Akt und überträgt sie nach seinem Empfinden in den dreidimensionalen Raum. Dabei eröffnet sich oft ein melancholischer Moment: Innere Bilder werden nach außen gekehrt. Elemente aus der (westlichen) Kunstgeschichte und der klassischen Ikonografie dienen ihm als Ausgangspunkt für seine Auseinandersetzung mit dem menschlichen Wesen. Dass all diese Referenzen universell verständlich und ihre Materialien gefunden sind, ist immanenter Bestandteil der Arbeitsweise des Künstlers.

© Sybille Rath

Zentrales Thema bei Sybille Rath (*1970 in Bonn) ist der Mensch und seine Befindlichkeiten. Auf dickem Nepalpapier schafft die Künstlerin durch mehrfaches Übermalen eine Dreidimensionalität, in der sich die Bilder nicht in die Tiefe, sondern nach außen fortzusetzen scheinen. Auf oder über diesen Seelenlandschaften tanzen und schweben die gezeichnete Figurationen.

© Peter Riss

Die Installationen und Objekte von Peter Riss (* 1962 in Kaufbeuren) kreisen um die innere Zerrissenheit des Menschen, um ein dunkles, oft angst- oder tabubesetztes »Doppel-Ich«, das untrennbar mit dem »Ich« verbunden ist und mit ihm in einer ständigen Dualität steht. Durch die Kombination von glatten Hochglanzarbeiten mit greifbaren Objekten entsteht ein Spannungsfeld zwischen Abstraktion und anekdotisch- assoziativen Bildern, in dem sich die innere Duplizität auch auf die äußere Darstellungsform überträgt.

© Magnus Thorén

Die Arbeiten von Magnus Thorén (*1974 in Kristinehamn/ Schweden) entspringen einer imaginären Quelle, einer regelrechten Phantomwelt. In freier Bewegung zwischen Figuration und Abstraktion bewegen sich schemenhafte Körperfragmente, die sich im ewigen Zyklus vom Wachsen und Vergehen aneinanderreihen und dann wieder auflösen.

Hier finden Sie Pressestimmen zur Ausstellung:
Pressestimmen himmelgrau..pdf
PDF-Dokument [7.2 MB]
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© Anna Wondrak