Catch a Glimpse

Galerie Filser & Gräf, München

(27.07.-07.09.2013)

Kuratiert von Anna Wondrak.

Die Sommerausstellung 2013 Catch a Glimpse zeigt vier junge internationale Künstlerpositionen, die mit den Medien Installation, Zeichnung und Fotografie verschiedene Momentaufnahmen schaffen. Durch eine Rückbesinnung auf das eigene Ich nähern sie sich wieder unseren inneren Werten an. Die Verortung der eigenen Person im Raum und das Erkennen von Grenzen zwischen Innen und Außen sensibilisiert uns und unsere Wahrnehmung von geistigen und körperlichen Räumen. Bei vielen Arbeiten spielen die atmosphärische und gezielte Einsetzung von Licht und Schatten eine bedeutende Rolle: Es entstehen transparente, stille und erholsame Momente, die den Betrachter dazu einladen, in der Flüchtigkeit des Moments zu verweilen.

Alberto Finelli spürt oft einer bestimmten Idee in verschiedenen Medien nach. Dabei hinterfragt er beständig das Wesen und die Qualität von Zweidimensionalität und Abbildung, von Figuration und Abstraktion sowie dem Verhältnis der Arbeit zum Raum. Die in der Ausstellung gezeigten Zeichnungen, Intarsien aus Ebenholz und Buchsholz und Radierungen basieren auf verschiedenen unbeobachtet erscheinenden Momentaufnahmen aus Filmen, die Alberto Finelli im künstlerischen Prozess verfremdet. Fasziniert von der Direktheit der Zeichnung und der Freiheit, seine Vorstellungskraft so unmittelbar abzubilden, geht es ihm nicht nur um die Setzung von Licht und Schatten, sondern auch um die Vermittlung einer gewissen Empfindsamkeit und Vielschichtigkeit. Dabei liegt der Fokus stets auf dem Moment, dem Augenblick: Figurativ-narrative Filmszenen stehen dabei abstrakten, reduzierten und fast schwarzen Arbeiten gegenüber.

Alessandro Di Pietros künstlerischer Ansatz umkreist die (Un)Freiheit der eigenen Handlungen. Ein repetitives Moment spielt dabei in seinem kreativen Prozess immer eine Rolle. Durch Verfremdung, Überführung in neue Kontexte und Wiederholung von Zeichen entwickelt er neue konkrete Landschaften und eine Art „empirische Geografie“, in der er seine persönliche Position im Raum durch Vermessung seiner selbst erforscht. Basis für die gezeigten Papierarbeiten und die Bodeninstallation ist das Zeichen „^“, das aus dem dekorativen Ansatz, die Wellen des Meeres grafisch und linear darzustellen, entstand. Daraus entwickelte der Künstler ein repetitives Zeichensystem, eine ungegenständliche Einheit für Vermessungen. In der eigens für die Galerie entworfenen Bodenarbeit unterteilt Di Pietro den Boden in sich wiederholende Reihen mit dem Zeichen „^“. Diese können und sollen im Lauf der Ausstellung von den Besuchern bewegt werden, um neue Spuren zu hinterlassen und den Raum immer wieder neu zu verorten.

Seit vielen Jahren ist Valentina Angeloni von der unendlichen Vielfalt von Fenstern fasziniert. In ihrem Studium der Innenarchitektur fotografierte sie Fenster zu Beginn aus rein architektonischem Interesse, als einen Blick in ein Interieur und um ihre Funktion als Verbindung von Innen und Außen zu untersuchen. Dieser Blick auf das Dahinter hat sich jedoch rasch gewandelt. Im Fokus ihrer Arbeit steht nun die Fensteroberfläche selbst und ihr ästhetischer Wert: Weg von der allgegenwärtigen voyeuristischen Annäherung an das Private anderer, zurück zu unserem Inneren, der Spiegelung im Fenster, den Blick zurück auf uns selbst: Eine Einladung zum Tagträumen, zur Fantasie, zur Empathie. Die in der Ausstellung zu sehenden Arbeiten sind Teil der Serie „Found (Homages)“: abstrakte Kompositionen und Hommagen, die besonders von der Kunst der Avantgarde inspiriert wurden.

Lidia Beleninova stellt eine Reihe von 2013 neu entstandenen Zeichnungen aus, die sich besonders mit dem Thema Spiegelung beschäftigen und in denen das Innen und Außen miteinander verschmilzt bzw. sich überlagert. Die großformatigen Blätter zeigen stille Momente der Nacht. In der meist menschenleeren Architektur gibt es stets eine oder mehrere Lichtquellen, die helle Glanzpunkte setzen und die starre Dunkelheit aufbrechen. Leere Räume scheinen sich durch die Spiegelung von Straßenlaternen und Häuserfronten plötzlich zu füllen. Das Schattenspiel der Bäume auf der Wand wirkt plötzlich lebendiger als der echte Baum draußen. Genau so, wie das menschliche Auge einen Moment der Umgewöhnung braucht, wenn man vom Hellen ins Dunkle kommt und umgekehrt, scheinen sich auch in den Bildern von Lidia Beleninova die Umrisse und Zwischentöne erst im Lauf der Zeit und bei längerer Betrachtung zu verschärfen.

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© Anna Wondrak